Evangelisch in Sydney

Weihnachten im Sommer

Neulich hab ich wieder mal ein richtiges AHA Erlebnis gehabt, ich bin nämlich beim Einkaufen so richtig erschrocken. Es war einer der ersten so richtig heißen Tage für mich hier in Sydney. Die Sonne, die ganzen Geräusche in der Früh, die immer noch so ungewohnt sind, die Wärme und das Schwitzen, ich hab mich gefühlt, als wäre ich wieder in Douala, in Afrika. Ich mußte nachmittags noch zum Woolie hier in Chester Hill um meinen Haushalt und mich mit einigen Dingen zu versorgen. Nichts ahnend schiebe ich meinen Einkaufswagen durch die Gänge und steh ganz am Ende plötzlich vor Weihnachtsdekoration!! Kugeln, Santa Claus Mützen, Socken, Girlanden, alles was man anscheinend hier in Australien braucht um Weihnachten zu feiern, war da in dem langen Regal zu finden. Und ich hab mir gedacht: was für eine komische Welt. Mitten im Hochsommer finde ich Weihnachtssachen im Kaufhaus. Bisher war ich es die letzten Jahre gewohnt, mindestens ne dicke Jacke anzuhaben und ziemlich viel Schnee vor dem Haus liegen zu haben, wenn ich Weihnachtssachen sehe. Und jetzt schwitz ich in der Sonne, hab die Klimaanlage im Auto an, weil ich sonst zerfließen würde und freu mich schon drauf, wenn ich das erste Mal ins Meer zum Baden gehe! Dieser Einkauf war für mich richtig komisch und irgendwie stand meine Welt kurzzeitig wirklich auf dem Kopf. Manchmal machen wir schon eigenartige Erfahrungen mit der Welt, in der wir leben. Aber nicht nur wir.

Schon damals, in Bethlehem, wurde Jesus in eine komische Welt hinein geboren. Die Menschen Judas schrieen nach dem Messias. Weil sie sich im Laufe der Zeit, und unter dem Druck der jeweiligen politischen Situation, ihren eigenen Messias gemacht hatten, waren nur wenige bereit, den Messias Gottes anzunehmen und am Ende ist er ans Kreuz genagelt worden.

Wir Christen versuchen jedes Jahr durch all den Geschäftstrubel hindurch, die Engel singen zu hören: ” Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.” Wir versuchen, trotz der so raffiniert flackernden und blendenden Lichtreklame, die Krippe zu finden. Wir möchten das Kind als unseren Messias und Heiland anbeten. Trotz aller Zweifel im Glauben und aller Kirchenmüdigkeit, versuchen wir, die Sicherheit der Menschen wieder zu finden, die damals zum Stall in Bethlehem kamen.

Da lohnt es sich meiner Meinung nach, über die Worte der alten Propheten nachzudenken. Wir lesen da vom Reis Jesse, das aus dem alten Baumstamm herauswächst. Und von der Straße, die wir dem Herrn in unsere Welt hinein bauen sollen. Wir hören und singen vom Himmel, der aufgerissen werden soll, damit der Heiland auf die Erde herabkommen kann. Wunderschön ist auch die Beschreibung des messianischen Friedensreiches, in dem der Löwe Stroh frißt und das Lamm mit dem Bären weidet.

Wenn wir Weihnachten feiern, dann feiern wir den Anfang der Messiaszeit und wir danken Gott dafür, daß er seinen Sohn Mensch werden ließ. Es ist aber auch wichtig, sich daran zu erinnern, daß das nur der Anfang der Heilszeit war und daß Christus ein zweites und letztes Mal kommen wird. Dann wird er die Rettung der Welt vollenden. Unsere Lebensaufgabe ist es, das zweite Kommen Jesu vorzubereiten. Dazu gibt Gott uns unsere Lebenszeit und die Fähigkeiten, das spezielle Lebensziel, das er für uns festgelegt hat, zu erreichen. Sollten wir nicht an Weihnachten und zu Beginn des Neuen Jahres um Gottes Segen für unser Leben beten? Laßt uns das als Gemeinde tun.

Ich möchte alle, die in Sydney sein werden, zu unseren Gottesdiensten an Weihnachten und zum Jahresende einladen. Auch im Jahr 2009 wollen wir versuchen, eine lebendige Gemeinde zu sein, und so unseren Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten.

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr wünscht Ihnen,
Dirk Wnendt

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