Weihnachtsbrief aus Papua Neuguinea
Ein Brief von Rolf Strobelt aus Papua Neuguinea.
Liebe Freunde und Verwandte,
seit Ende Juli bin ich wieder hier. Die Zeit war jedoch so mit Arbeit angefüllt, dass es mir vorkommt, als wäre ich schon wieder einige Jahre in Ogelbeng.
Erkrankungen von Studenten und deren Familien
Gleich nach meiner Ankunft musste ich miterleben, wie das einjährige Kleinkind von meinem liebsten Studenten im Krankenhaus starb. Seit dieser Zeit geht ein Schmerz mit uns mit.
Hier im Seminar sind die hygienischen Bedingungen sehr schlecht. Viele Studenten erkranken an Typhus. Wir müssen unbedingt das Wassersystem verbessern. Die alten Wassertanks sollten durch neue ersetzt werden. Das gesamte Sanitärsystem muss neu gestaltet werden. Aber wer soll das bezahlen?
Im Unterricht „Gesundheits- und Krankheitslehre“ sprechen wir darüber, wie man sich schützen kann. Das ersetzt aber nicht, dass hier vieles dringend verbessert werden muss.
Unterricht
Der Unterricht bereitet mir große Freude. So wurden von mir in diesem Jahr Ethik, Dogmatik, Weltreligionen, Gesundheits- und Krankheitslehre, Alkohol und Drogen, Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten, Leben und Theologie Martin Luthers, Theologie des Alten Testaments, Johannesevangelium und einen Vikarskurs (diese Studenten gehen 2009 ins Vikariat) unterrichtet. Im neuen Jahr müssen wir unbedingt die Fächer neu verteilen und Raum lassen für das Erarbeiten von Unterrichtsmaterialien, welche wir dann selbst für die Studenten drucken.
Dieses Jahr konnten wir zum Beispiel eine Dogmatik nachdrucken. Auch benötigen wir Bücher im medizinischen Bereich. Es ist ja wichtig, dass wir die jungen Menschen ganzheitlich ausbilden. Viele werden ja in abgelegene Gebiete gehen, in denen es oft keine ausreichende Gesundheitsversorgung gibt. Mit dem erlernten Wissen können sie auch in medizinischer Hinsicht ihren Leuten helfen.
Vikarsausbildung
In diesem Jahr hatten wir im ganzen Land verteilt 24 Vikare mit Familien zum Dienst. Das ist immer ein Balanceakt. Ständig ist man besorgt und unter Druck. Jeder Anruf über Funk, jeder Telefonanruf kann einen Notfall bedeuten. Aber dann gibt es auch Leute, die das ausnutzen und wegen jeder Kleinigkeit um Hilfe schreien. Wo zieht man Grenzen, wo wird man ungerecht? Diese Aufgabe ist eine große Herausforderung und man hat dadurch nicht nur Freunde. Ich danke Gott, dass alle Vikare mit ihren Familien wieder sicher daheim sind.
Am 23. November wurden wieder 22 Vikare mit Familien im Gottesdienst in ihre Distrikte ausgesandt. Nun steht diese Woche der Rücktransport in ihre Gebiete an. Es sind wunderbare Menschen, die alle gern Pfarrer werden und die Liebe Gottes weitergeben möchten.
Bitte betet, dass den Vikarsfamilien Gemeinden zugeteilt werden, die sie gut aufnehmen und unterstützen, ihnen Garten und Haus geben und ihnen helfen, dass sie das Notwendige zum Leben haben. Mögen sie bewahrt werden und im Glauben wachsen.
Es ist so schwer für mich aus der Entfernung die herzzerreißenden Berichte zu lesen, wie Vikare oft allein gelassen werden und regelrecht hungern. Mögen die jungen Menschen doch erleben, dass Gott Liebe ist und sich für sie einsetzt. Ein Vikar berichtete, dass sie nichts zu Essen hatten. Da haben sie die Töpfe mit Wasser gefüllt und den Tisch gedeckt und gebetet. Dann kam ein Christ aus dem Dorf, der sagte er wolle nicht stören beim Essen. Diesem haben sie dann auch Wasser angeboten. Von da an brachten die Christen Essen.
Die Menschen hier haben Gärten, von denen sie leben. Aber oft geben die Gemeinden den Studenten keinen Garten. Es steht in den Regeln für Vikare, dass die Gemeinden für die Versorgung zuständig sind. Eine große Herausforderung.
Abschlussgottesdienst für 19 Studenten
Am 1. Advent fand der Abschlussgottesdienst statt, in ihm haben19 Studenten ihren Abschluß bzw. ihr Diplom erhalten. Dann werden sie im gesamten Land als Pfarrer arbeiten.
Bei der Verabschiedung in den nächsten Wochen werden hier wieder viele Tränen fließen.
Kinderwochenende
Am Freitagnachmittag, dem 29.August sah ich wie ein Bus, ein Lkw und mehrere Pkw, beladen mit Kindern, an meinem Haus vorbeifuhren.
Als ich dann zur Schule runter ging, wurden dort gerade in jedem Klassenraum die Kinder (Sonntagsschulkinder) eingeteilt. Ich konnte es nicht fassen. Dann wurde mir erklärt, dass der Kirchenkreis Mt. Hagen 200 Sonntagsschulkinder zu einem Wochende nach Ogelbeng eingeladen hat. Die Versorgung läge in den Händen der Gemeinde Ogelbeng. Als es dann fast dunkel war, schaute ich mir die Klassenräume an, mit den Hintergedanken an Typhus und unhygienische Bedingungen. Was soll nun werden? Was sollen wir machen? Dann sah ich die offenen Augen der Kinder und ihre Freude hier „im Urlaub“ zu sein. Nun war es daran Essen zu organisieren. Noch in der Nacht wurde ein Bäcker mobilisiert, Brötchen für den Samstagmorgen zu backen. Als dann am Sonntagnachmittag die Kinder wieder abgeholt wurden bzw. wir sie in die Stadt brachten, konnten wir nur Gott für das schöne Wochenende danken.
Die Kinder waren begeistert von Ogelbeng, besonders von unserem Hochwasserbehälter aus dem Wasser strömt und unter dem man sehr schön duschen kann.
Übrigens: Mancher deutsche Konfirmand kann von dem Bibelwissen der Kinder hier etwas lernen.
Stromabschaltung
Die Elektrizität kommt wie sie will. Oft ist abends und auch am Wochenende „power cut“, also der Strom abgeschaltet. Nach meiner Ankunft hatten wir ganze fünf Wochen keinen Strom, weil erst
30 000 Kina bezahlt werden sollten. Zurzeit fließt der Strom wieder, aber wie lange wohl noch?
Besucher
Heute sprach ich mit einem Mitarbeiter über die gute alte Zeit. Früher waren hier sechs bis zehn Überseefamilien. Heute bin nur noch ich übrig geblieben. Bis zum April 2009 werden außer mir alle übrigen Überseemitarbeiter der Lutherischen Kirche im Hochland gegangen sein. Da kommt man sich schon verlassen vor. Am I the last of the Mohicans? Bin ich nun der letzte Mohikaner?
Bei damaligen guten Verhältnissen konnten Überseegäste bei den Überseemitarbeitern aufgeteilt werden. Das ist nun nicht mehr der Fall. Da ist manchmal so ein Single überladen. Es reichen schon die Abende, die eigentlich der Unterrichtsvorbereitung dienen sollten.
Die Besucher sind ja wichtig für unser Seminar. Aber wir müssen alle mittragen. So haben wir bei den letzten amerikanischen Gästen vereinbart, dass die Lehrer mit Familien abwechselnd Essen kochen und auch in ihre Häuser einladen.
Aber wie ist es mit dem Fahrdienst für die Gäste? Ich bin nicht mehr so flexibel wie früher, ich habe jetzt ja auch zu unterrichten. Dieses Jahr hat uns Stay, der extra aus Nomane für diesen Dienst gekommen ist, sehr unterstützt. Er hat die Flierl Familie, die Amerikanische Gruppe von Global Mission, die nette Frauendelegation aus Sachsen und auch Evelin, die Voluntärin, die nach Kol geflogen ist, um dort 1000 Solarlampen zusammenzubauen, gefahren und unterstützt. Ich selbst merke, dass man nicht nur geben kann. Mein Dienst hier geht vor und alles andere muss sich dem unterordnen.
Behindertenarbeit in Nomane
Der Dienst an Behinderten in Nomane geht weiter. Es gibt die Treuen, die weitermachen, weil sie die Wichtigkeit des Dienstes erkannt haben. Wir konnten wieder etwas helfen mit Kleidung, Hygieneartikel etc. Es ist wichtig den Dienst weiterhin zu begleiten.
HIV+ Student
Johnson und seine drei Kinder haben uns in diesem Jahr viel Freude bereitet. Er ist ein guter Student. Seine Gesundheit und die seines kleinen Sohnes, der ja auch infiziert ist, ist stabil.
Sie haben das Jahr hindurch Hilfen erhalten, damit sie besonders gesunde Nahrung essen können.
Wie dankbar dürfen wir sein Mütter zu haben, die uns trösten. Ich bin nun bald 50 Jahre alt und immer noch werde ich aus den Telefonaten und E-Mails mit meiner Mutter gestärkt und getröstet. Danke.
Wie können wir nur helfen, dass diese vielen Kinder überall auf der Welt, die keine Mutter mehr haben, das Wort aus der Bibel recht verstehen
Gott spricht: Ich will Euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.
Jesaja 66, 13
Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Euch allen
Euer Rolf



