Am geografischen Mittelpunkt Europas
Martin Grahl ist Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde in Riga/Lettland.
Ein Blick aus unserem Wohnzimmerfenster hinunter auf eine der Hauptverkehrsstraßen von Riga. Spätnachmittags zeigt sich stets dasselbe Bild: Verkehrsstau. Dicke Autos sind zu sehen, Porsche, Hummer, viele große Volvos. Auf den Gehwegen erkennt man schlanke Frauen auf High Heels, teuer gekleidete Kinder und Geschäftsmänner in dunklen Anzügen. Nach Jahrzehnten der Misswirtschaft greift Wohlstand sichtbar um sich. Luxuriöse Einkaufszentren gibt es in der Stadt, vor denen an manchen Tagen kaum noch ein freier Parkplatz zu finden ist. Lettland ist in der Europäischen Union angekommen.
Es ist ein Land voller Widersprüche, die sich auch quer durch unsere Kirchengemeinde ziehen. Hier bin ich Pfarrer, seit sechs Jahren und für weitere drei Jahre. Vor ein paar Jahren besuchten meine Frau und ich eine unserer Familien. In einem Zimmer hauste ein Paar mit sieben Kindern, neun Menschen in zwei Betten. Der Vermieter hatte, wohl auch wegen dieser Intensivnutzung, einen Räumungsbeschluss erwirkt. Um ein Haar hätte das Jugendamt den Eltern die Kinder fortgenommen, weil sie nicht angemessen für sie zu sorgen schienen. Doch wohin sollte die Familie? Mit Hilfe eines Kinderrechtszentrums und durch die Fürsprache eines Abgeordneten konnten wir erreichen, dass die Familie ein Jahr später in eine der wenigen Sozialwohnungen einzog. Eines ihrer Probleme: Sie haben deutsche Vorfahren. Russlanddeutsche gelten hierzulande als Russen, was bedeutet, dass sich viele Letten von ihnen abwenden. Damit berühren wir eines der Probleme, mit denen eine deutsche Gemeinde in Lettland zu tun hat.
Den vollständigen Artikel finden Sie auf den Internetseiten der EKD – Auslandsgemeinden hier.
eingestellt von Mathias Burbach am 3. Juni 2009
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