Gottesdienst in einer Apotheke
Ralf Haska ist Pfarrer der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde St. Katharina in Kiew
Schade, dass sie weg sind. Vergangenen Sommer haben uns die Kastanien vor den Fenstern unserer Pfarrwohnung mitten im Stadtzentrum noch erfreut. Gerne hätten wir sie wieder blühen sehen. Doch sie mussten weichen – einem Hotelneubau. Ist die Wirtschaftskrise in der Ukraine etwa schon vorbei?
Unsere Gemeindeglieder berichten oft von ihrem schweren Alltag. Alte Menschen, die es nur selten zu den Gottesdiensten in der Deutschen-Evangelisch-Lutherischen Gemeinde St. Katharina schaffen, erzählen, dass sie oft sonntags arbeiten müssen, um ihre 600 bis 800 Griwna Rente aufzubessern und den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Von den umgerechnet 60 bis 80 Euro können sie gerade so die Kommunalgebühren begleichen.
Andererseits habe ich noch in keiner Stadt so viele teure Autos gesehen wie hier. Weniger Betuchte nehmen die Metro und die Sammeltaxis, sogenannte Marschrutkas. Gehen wir durch die Stadt, fallen uns die gut gekleideten Damen und Herren auf, die Reichen und Superreichen. Aber eben auch die Bettler an den Häuserecken und in den Straßenunterführungen, die sich auffällig oft bekreuzigen. Sie sind unübersehbar, obwohl sie sich selbst zurückhalten. Friedrich, unser ältester Sohn, legte einer alten Bettlerin einmal zwei Griwna (umgerechnet 20 Cent!) in ihr Gefäß. Sie bedankte sich überschwänglich und wollte das Geld erst annehmen, als Charis, meine Frau, erklärt hatte, wer dieser Elfjährige ist. Sie segnete ihn und wünschte ihm für sein Fortkommen in der Schule alles Gute.
Den vollständigen Artikel finden Sie auf den Internetseiten der EKD – Auslandsgemeinden hier.
eingestellt von Mathias Burbach am 10. Juni 2010
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