Evangelisch in Sydney

Von Konfirmanden – und Fledermäusen

Wann trägt ein lockerer Jugendlicher (männlichen Geschlechts) einen Anzug mit Hemd und Krawatte an einem Sonntag? Nun – wenn er konfirmiert wird. Und so war es auch heute – zwei junge Damen (nicht im Anzug, sondern in sehr hübschen Kleidern) und zwei jungen Herren und ein Mann im besten Alter in oben beschriebenem Aufzug unterzogen sich heute diesem feierlichen Akt.

Aber fangen wir von vorne an: Unsere Kirche war sehr gut besetzt, denn es gab nicht nur einen Festakt, sondern gleich zwei – mit  einer Taufe fing es an. Die kleine Dame war ca. drei Jahre alt und hatte auch ein Wort mitzureden – liess sich aber dann doch den Kopf benetzen und wurde mit Applaus in die Gemeinde aufgenommen.

Dann folgte die Einsegnung der Konfirmanden, gefolgt von einer launigen Ansprache des ältesten Konfirmierten der Gemeinde, Karl Wunderlich, über Fledermäuse.

Nach dem Gottesdienst sammelte ich die frisch Konfirmierten um mich, um ihnen ein paar Fragen zu stellen: Selina, Swantje, Benjamin und Dominik hatten sich alle persönlich für die Konfirmation entschieden – mit Einvernehmen der Eltern natürlich. Dominik hatte die interessanteste Geschichte zu erzählen: er war erst mit 12 Jahren getauft worden und hatte damals im Gespräch mit dem Pfarrer sich schon überlegt, dass er dann auch konfirmiert werden wolle. Bei Peter stellte sich heraus, dass er das Gefühl hatte, etwas nachtragen zu müssen und so meldete er sich beim Pfarrer an. Er gestand mir, dass er nicht so oft zum Konfiunterricht kommen konnte, schliesslich arbeitet er ja schon – aber er hätte Privatstunden bekommen!

Die Jugendlichen fanden es von Vorteil, eine kleine Gruppe zu sein, es gab ihnen die Chance, Glaubensfragen zu diskutieren und jeder hatte die Möglichkeit, seine Ansichten zu vertreten. Bei einer Freizeit, begleitet auch von dem „Konfipaten“ Mathias Burbach, lernte man sich besser kennen und tauschte Meinungen aus in einer neuen Umgebung und ohne „Schulstress“.

Ihre Konfirmationssprüche hatten sie sich nach reichlicher, und meinem Eindruck nach, sehr intensiver Auseinandersetzung mit ihrem Glauben ausgesucht. Hier sind sie:

Florian Benjamin Schaaf
Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen
Jesaja 54, 10

Dominik Kasra Hofstetter
Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben
Johannes Evangelium 14, 6a

Swantje Kristina Bloens
Jesus spricht: In der Welt habt ihr Angst aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Johannes Evangelium 16, 33

Selina Maria Heuser
Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst
Josua 1, 9

Peter Horst Schramm
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Psalm 23, 4

Auf meine letzte – nicht ganz Ernst gemeinte -  Frage, ob sie es denn nun so halten würden wie die konfirmierten Fledermäuse, die sich ja nie wieder in er Kirche sehen liessen, kam die spontane Antwort: nein, wir gehören ja jetzt zur Gemeinde! Wir wünschen ihnen allen, dass ihre Konfirmationssprüche sie auf ihren Wegen begleiten mögen.

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