Hermannsburg – Treffpunkt zweier Kulturen
Am Freitag, den 17. Juni 2011 trafen sich 8 Mitglieder unserer Gemeinde zu einer Exkursion in das Zentrum von Australien. Der Flug nach Alice Springs verlief reibungslos und gleich nach der Ankunft fuhren wir mit unseren 4WD Mietwagen zu unserer Unterkunft in Alice Springs.
Schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt beeindruckten uns die Farben und Felsformationen. Noch am gleichen Tag besuchten wir den Desert Park und wurde Zeuge einer Raubvögel-Show. Der Park war in 4 Regionen unterteilt (Woodland Habitat, Desert Rivers, Sand Country, Waterhole) und die Führung mit Kopfhörer gaben einen sehr guten Eindruck über die Wüstenlandschaften im Northern Territorry. Im Gegensatz zum allgemeinen Glauben lebt die Wüste. Viele Tiere und Pflanzen kommen trotz der geringen und unvorhersehbaren Regenfällen mit dem harschen Klima zurecht.
Am Samstagmorgen trafen wir uns mit dem Pfarrer der lutherischen Gemeinde, David Kuss, in Alice Springs auf dem Gelände der Alice Springs Lutheran Church. Er zeigte uns die Kirche mit ihren vielen Aboriginal Gemälden, die allesamt Szenen aus der Bibel darstellen. Auch erklärte er uns die Geschichte der Gemeinde, die als Filialgemeinde von Hermannsburg unter einem großen Eukalyptusbaum in Alice Springs startete. Der eher traditionelle Gottesdienst beginnt um 9 Uhr und wird hauptsächlich von den Aboriginals besucht. Zu dem moderneren Gottesdienst, der um 10:45 Uhr beginnt, kommen eher jüngere weiße Gemeindemitglieder. Je nach Jahreszeit schwankt der Besuch im Gottesdienst zwischen 40 und 300 (bei 300 Besuchern sitzen viele im Vorgarten der Kirche).
Nach einem eher kühlen Morgen ging die Reise bei strahlend blauem Himmel weiter gen Glen Helen Gorge entlang der West MacDonnell Ranges bei Temperaturen um die 20°C. Der erste Stop führte uns zum Simpsons Gap. Zur rechten Zeit ankommen konnten wir uns einer Führung des Rangers anschließen, der uns über die Pflanzen dieser Region informierte. Die Rock-Wallabies hatten sich leider gut versteckt, so daß unseren professionellen Photographen eine Aufnahme versagt blieb. Ansonten wurden die Pflanzen und Felsformationen ausgiebig photografiert.
Vom Simpsons Gap führte uns die Exkursion zum Standley Chasm. Genau zur Mittagszeit wurden wir Zeuge, wie die Sonne in die enge Felsspalte fiel. Leider hatten viele andere Touristen die gleiche Idee und so lud der Platz alles andere als zur Besinnung ein.
Kurz vor dem Ellery Creek fanden wir einen Aussichtpunkt mit Picknick-Platz, auf dem wir unser Mittagessen verzehrten. Am Ellery Creek hätten einige unserer Teilnehmer beinahe die Badehose ausgepackt, wären nicht so viele tote Fische im Wasser gewesen. Dies lag nicht an der schlechten Wasserqualität, sondern an Baktieren, die die Kiemen der Fische verkleben, sobald die Wassertemperatur fällt.
An der Ormisten Gorge bestaunten wir die roten hohen Felswände, vor denen schock-weiße Ghost-Gumtrees standen. Das Wasser war bis zu 14 Metern tief und spiegelte die atemberaubende Landschaft wieder.
Der Tag endete an der Glen Helen Gorge, für die ein Aboriginal Familien-Clan verantwortlich zeichnet, der jetzt in Hermannsburg lebt. Den Sonnenuntergang genossen wir auf dem Mount Sonder Lookout mit Blick auf die “schwangere Frau”.
Das Dinner genossen wir in einem recht edlen Restaurant, welches auch zum Resort gehört.
Am Sonntagmorgen ging die Reise schon recht früh um 7:30 Uhr gen Hermannsburg weiter. Wir stoppten am Tylers Pass Lookout und hatten einen wunderschönen Blick auf den Kraterrand des Gosse Bluff. Dort ist vor ca 142,5 Millionen Jahren ein Komet auf die Erde aufgeschlagen und hat einen Krater von 5 km Durchmesser geschlagen. Für die Aborigines entstand der Krater weil das Kind aus der Krippe einer himmlischen Tanzgruppe fiel und auf die Erde aufschlug.
Fast auf die Minute genau trafen wir um 10:00 Uhr in Hermannsburg zum Gottesdienst ein, der dann doch erst um 10:30 Uhr begann. Der Aboriginal Pastor Marcus Wheeler erklärte uns die Schöpfungsgeschichte auf Arrente und die Bibelstellen wurden in Deutsch und Englisch gelesen. Fast alle Lieder sangen wir in Arrente, bis auf die letzten zwei Strophen von “Die Kirche steht gegründet, …”, die auf Englisch gesungen wurden.
Unser Lunch genossen wir auf Einladung von Pastor Peter Pfitzner im Pfarrhaus und hatten eine angeregte Diskussion über die verschiedenen christlichen Sichtweisen, je nachdem ob man in einer Aborigines Kultur aufgewachsen ist oder in einem westeuropäischen Umfeld. Die Diskussion mußte nach ca. einer Stunde unterbrochen werden, um den historischen Bereich der Missionsstation (Historic Precinct) zu besuchen.
In der alten Kirche befanden sich Bilder Gemeinde mit ihren Pastoren und Erläuterungen zur Person des Pastors Strehlow, alles schön untermalt von Klängen des Frauenchors der Kirchengemeinde Hermannsburg.
Auch die Ausstellung von Albert Namatjira’s Bildern in der Gallerie war wirklich sehenswert und wir beendeten den Besuch mit einem berühmten Apfelstrudel auf der Veranda des Teehauses. Ein weiterer Höhepunkt des Tages war der Ausflug mit Lily, der Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, und ihrem Ehemann David in den Busch, um Buschtucker zu finden und zu kochen. Tatsächlich fanden wir mehrere Witchetty Grubs in den Wurzeln der Akazien. Lily und Marion bereiteten auf dem Feuer Tee, Damper und Kangeruhschwänze zu, die wir dann alle kosten durften. Nach dem spektakulären Sonnenuntergang verabschiedeten wir uns von Lily, Marion & David und fuhren zurück zu unserer urigen Unterkunft im Historic Precinct von Hermannsburg.
Am Abend trafen wir uns nochmal mit Pastor Peter Pfitzner in dessen Pfarrhaus und führten die Diskussion vom Mittag fort. Dabei erfuhren wir von Pastor Peter Pfitzner über dessen familiäre Bindung mit Hermannsburg – ein Bruder seines Großvaters hatte 1898 ein Kind mit einer Aboriginal Frau gezeugt und mußte daraufhin sofort die Farm verlassen. Mittlerweile sind es über 670 Nachkommen, die alle mit jenem Großonkel verwandt sind. Pastor Peter Pfitzner berichtete uns auch wie seine Wahrnehmung der Aboriginal Kultur sich über die Jahre hinweg verändert und gewandelt hat. Die Traumgeschichten der Aborigines sind nach wie vor dem Wandel unterworfen und immer nur so alt wie die ältesten Mitglieder des Familienclans.
Pastor Peter Pfitzner wird Ende Oktober eine neue Pfarrstelle in Robertstown (Südaustralien) antreten und Hermannsburg nach 4 Jahren verlassen. Dann wird die Gemeinde wieder einzig und allein vom Aboriginal Pastor Marcus Wheeler betreut. Die Finke River Mission wird sich in Zusammenarbeit mit der Lutheran Church of Australia (LCA) um einen Nachfolger für Pastor Peter Pfitzner bemühen. Aber die Gemeinde in Hermannsburg weiß das dieser Prozeß länger dauern kann. Das letzte Mal blieb die Stelle gar 7 Jahre unbesetzt.
Am nächsten Morgen waren wir erneut eingeladen bei Pastor Peter Pfitzner zum Frühstück. Nach dem Frühstück ging es in den General Store der Finke River Mission. Einige unserer Teilnehmer kauften Gemälde, gemalte Lesezeichen und Schmuck hergestellt von Aborigines aus Hermannsburg.
Vor der Rückfahrt nach Alice Springs fuhr David mit uns nochmal raus zum Aboriginal Pastor Marcus Wheeler, von dem wir uns gebührend verabschiedeten und ihm versicherten, daß Pastor Peter Pfitzner’s Weggang nicht das Ende der Kooperation unserer Gemeinde in Sydney mit der Kirchengemeinde in Hermannsburg sein soll.
Ein kurzer Abstecher zum Haus von Albert Namatjira beendete den Besuch in Hermannsburg/Ntaria und wir kehrten mit vielen positiven Eindrücken von unserer Exkursion aus Hermannsburg zurück.
geschrieben von allen Teilnehmern
















