
Ich teile manche Erfahrungen mit den meisten älteren Menschen. Eine davon ist, dass die Welt kleiner wird und die Möglichkeiten des Lebens weniger werden. Dem steht ein grösseres Bewusstwerden eines wahren Schatzes gegenüber, dem der vielfältigen Erinnerungen. Zu meinen Erinnerungen gehört dieses Gedicht:
Mich reut kein Tag, den ich in Tal und Hügeln
durch Gottes schöne Welt geschwärmt.
Im Sturm umbraust von seiner Allmacht Flügeln,
im Sonnenschein von seiner Gunst durchwärmt.
War’s auch kein Gottesdienst im Kirchenstuhle,
war’s auch kein Tagewerk im Joch der Pflicht:
auch in der Schöpfung hält die Allmacht Schule:
Es reut mich nicht!
Hier erlebt jemand die Natur bewusst als eine Gabe des Schöpfers voller Freude . Er erinnert uns, dass Gott nicht nur im Gottesdienst erfahrbar ist, sondern die Dankbarkeit für die Schöpfung hinzugehört, was die Bedeutung des Feiern des Gottesdienstes in einer Gemeinde nicht vermindert.
Unser Schatz von Erinnerungen wird grösser, wenn wir ihn mit anderen Menschen teilen.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 30. Juli 2010
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Ein Wort, ein Satz, irgendwann, irgendwo, können uns zu neuem Nachdenken bewegen. Mir ging es so in einer Sendung von Radio National. Da fiel der folgende Satz:
“We have a big tradition of heroism in Australia”
Heldentum als Tradition? stellte sich mir als erste Frage. Kann das, soll das ein Element nationaler Identität sein oder werden? Dann kam eine Assoziation zu jenem Satz aus dem Dritten Reich mit dem eine gewollte Weichenstellung auch zum Heroismus geschehen sollte. Er lautete damals:
“Du bist nichts, dein Volk ist alles”
Der völkischen Ideologie in der spezifischen Gestalt der Rassenideologie des Ariertums sollte der Weg bereitet werden. Er führte in furchtbare Verbrechen. Heroismus als eine gewollte und stolze nationale Identität stößt deshalb bei mir auf grosse Skepsis. Damit soll kein individueller Akt heroischen Verhaltens abgewertet werden. Vielleicht helfen mir ja Leser des “Wort zum Alltag” bei diesem schwierigen Thema weiter.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 23. Juli 2010
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Im Bereich der Northern Beaches erscheint an fünf Tagen in der Woche die kostenlose Verteilzeitung “Manly Daily”. In diesen Tagen hatte sie eine Titelgeschichte, die viele Menschen sehr konkret angerührt haben muß. Ein kleines Mädchen hatte ein sehr schmerzhaftes Ohrenleiden. Der Eingriff im staatlichen Krankenhaus würde wegen der langen Warteliste erst in etlichen Monaten möglich sein. Bis dahin immer wieder Schmerzmittel, die mal wirkten, mal auch nicht. Für eine private Operation fehlten den Eltern die Mittel von ca. $ 3.000.– . Noch am Tag des Erscheinens des Artikels liefen bei der Zeitung Spendenzusagen in Höhe von $ 10.000.– ein. Nun gibt es schon in diesem Monat den dringend notwendigen Eingriff.
Ich habe die Geschichte mit “Hoffnung” überschrieben. Ja, das ist beim Lesen in mir vorgegangen angesichts all der entsetzlichen Nachrichten, die täglich auf uns einströmen. Bei der nächsten ähnlichen Geschichte werde ich mit von der Partie sein: dann nicht nur als Leser, sondern als Mithelfender.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 16. Juli 2010
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Ich möchte etwas ganz unkommentiert teilen mit den Lesern des “Wort zum Alltag”. Ich fand das folgende Gebet in diesen Tagen in den seit 280 Jahren erscheinenden Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine. Es stammt von einer Sabine Naegeli, von der man im Internet mehr erfahren kann.
“Mein Gott, gib mir ein tapferes Herz, das sich nicht einlässt auf Wehleidigkeit und Selbstmitleid. Gib mir ein gesundes Mass an Selbstliebe, die Freiheit, über mich zu lachen und die Demut, die Grenzen, die du mir gesetzt hast, nicht gewaltsam niederreissen zu wollen. Gib mir die Aufmerksamkeit des Herzens, die anderer Menschen Bedürftigkeit wahrzunehmen versteht.”
Wer teilt mit mir?
eingestellt von Dietrich Rehnert am 9. Juli 2010
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Jeder Newsletter der EKD hat ein “Wort zum Tag”. In dieser Woche das folgende von Christian Morgenstern (1871 – 1914):
“Der Welt Schlüssel heißt Demut. Ohne ihn ist alles Klopfen, Horchen und Spähen umsonst”.
Es ist sicher ein guter Anlaß, über die Demut nachzudenken. Friedrich Nietzsches Einschätzung der Demut als Sklavengesinnung ist so grotesk, das man sie rasch ad acta legen kann. Nach Thomas von Aquin ist sie die Tugend, die den Menschen vor der Selbstüberschätzung bewahrt. Luther wollte nicht herausstellen, was der Mensch leistet, sondern, was Gottes Gnade in ihm und durch ihn bewirkt.
Diese Demut ist es, die uns kräftigt, stärkt und befähigt, über uns selbst hinaus nicht nur zu denken und zu reden, sondern auch zu handeln. So help us God.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 2. Juli 2010
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Am vergangenen Sonntag hat unsere Gemeinde wieder mit mehreren jungen Menschen deren Konfirmation gefeiert. Der Begriff wird in der Regel mit “Befestigung” oder auch “Bekräftigung” übersetzt. Nach der Taufe, bei der Eltern und Paten die Rolle der Hineinführung in die Gemeinde Gottes stellvertretend übernommen haben, wird nun der Konfirmand nach entsprechendem Unterricht zu seinem persönlichen Bekenntnis eingeladen.
Wir kennen für diesen Vorgang aber auch die Bezeichnung “Einsegnung”, die ich sehr schätze, macht sie doch die Zusprechung des Heiligen Geistes deutlich. über kaum einen Begriff unseres Lebens als Christen gibt es vermutlich vielfältigere Vorstellungen.
Jesus hatte seinen engsten Mitarbeitern diese besondere Kraft Gottes angekündigt für die Zeit nach seinem Fortgang. Wir kennen deren Umsetzung aus dem Pfingstgeschehen. Wir bezeichnen es als den “Geburtstag der Kirche”, weil erst mit der Zusprechung des Heiligen Geistes als Kraft Gottes Kirche entsteht.
Wie immer wir diese Kraft Gottes verstehen mögen: wir dürfen immer wieder neu um sie bitten.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 25. Juni 2010
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Wenn man einen US-Amerikaner nach dem bekanntesten General des Landes fragt, kann es einem passieren, dass die Antwort “General Electric” oder auch “General Motors” lautet. Ich habe seit gut einem Jahr mit einem anderen General zu tun. So ist nämlich jene Fläche auf dem nahen Bushland Cemetery bezeichnet, auf dem sich auch das Grab meiner Frau befindet.
Die Fläche daneben trägt die Benennung “Catholic”.
Ich frage mich, ob die Einrichtung derartig unterschiedener Flächen auf gesetzlichen Grundlagen beruht oder anderen Gesichtspunkten. Einen Besuch in der Verwaltung zur Klärung schließe ich dabei nicht aus.
Als Religionslehrer habe ich immer eine Antwort verweigert, wenn Schüler mich nach meiner Vorstellung vom Himmel gefragt haben. Eines aber möchte ich einmal vermuten, dass es nämlich dort keine derartigen Unterscheidungen oder Abgrenzungen geben wird.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 18. Juni 2010
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Von einer guten Freundin aus unserer katholischen Schwestergemeinde bekomme ich jedes Jahr einen täglichen Abreisskalender. In diesen Tagen fand ich dort den folgenden Satz der deutschen Publizistin Maria-Theresia Radloff:
“Bei Zuwendung und Liebe blühen Kinder auf wie Blumen.”
Ein schönes Bild, nicht wahr? Die Realität sieht vor allem für Kinder in der zwei-Drittel-Welt durchaus anders aus. Im Rundbrief des deutschen evangelischen Auslandspastors in einem Armenviertel der chilenischen Hauptstadt fanden wir vor einigen Jahren die Geschichte eines Jungen, der, heimgekommen aus der von der Gemeinde begründeten Schule, seinen Vater erhängt aufgefunden hatte. Dieser hatte es nicht mehr ertragen , seine Kinder nicht ernähren zu können.
Eine deutsche Schriftstellerin hat einmal geschrieben, dass die Dinge sich erst ändern würden, wenn wir alle Kinder als unsere Kinder empfinden und danach handeln würden.
Jesus Christus hat uns die Liebe zu Kindern nicht nur gepredigt, sondern sehr konkret vorgelebt.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 11. Juni 2010
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