Evangelisch in Sydney

Das zweite Gebot

10 Gebote

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen.

Ich habe mir nie eine Platte von Madonna gekauft. Ich stand eher auf Talking Heads und Sakkos mit überdimensionalen Schulterpolstern. Never change your outfit, so it’s easier for people to recognize you. Ändere nie dein Outfit, dann erkennen dich die Leute besser. Dieser Satz der Talking Heads überzeugte mich damals mehr als heute – was wiederum mit Madonna zu tun hat.
Einmal bin ich mit Madonna Boot gefahren. Nicht mit der echten, sondern mit einer ihrer Provinzkopien, Verkäuferin in einem Bregenzer Modegeschäft. Sie war die Freundin meines besten Kumpels, und der Kumpel durfte oder musste – da blickte ich nicht ganz durch – während der Ferien für vier Wochen nach London. Den letzten Abend verbrachten wir zu dritt am See, wo die Eltern des Freundes, reiche Leute, ein kleines Sommerhaus besaßen. Ich hatte mit Geld aus meinem Ferialjob eine Flasche Sekt gekauft und war den Weg mit dem Fahrrad gekommen, so dass die Hälfte des Sekts aus der Flasche sprang, noch ehe wir mit den Gläsern zur Stelle waren. Anschließend saßen wir auf der Ufermauer, von wo sich der familieneigene Bootssteg in den See streckte, und schlürften den lauwarmen Rest, wir Freunde in Badehosen und Madonna ausstaffiert wie ihr Idol zu Zeiten von “Like a Virgin”: jede Menge brauner Haare, die von blonden Strähnen und einem weißen Band durchzogen waren, massenhaft Ketten mit Kreuzen um den Hals und ein Kleid, das sehr nach Unterwäsche aussah. Vom Kassettenrekorder liefen Madonnas Lieblingslieder, dazu tranken und redeten wir, hauptsächlich über unsere Zukunft.

Den vollständigen Artikel von Arno Geiger finden Sie auf den Internetseiten des evangelischen Online Magazins chrismon.de hier.

eingestellt von Mathias Burbach am 31. März 2009
in 10 Gebote | 0 Kommentare

Das erste Gebot

10 Gebote

Ich bin der Herr, dein Gott.
Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.

An einem Dienstagmorgen sagt Bea: Neuerdings habe ich das Gefühl, ich brauche ein bisschen mehr Gott in meinem Leben. Schweigend bestreicht ihr Mann seinen Toast sorgfältig bis an die Ränder mit Marmelade, und als er damit fertig ist, sagt er grinsend: Oh Gott, Bea, wirst du plötzlich religiös?
Fühlst du dich nicht manchmal eingesperrt in deiner Haut? Hoffst du nicht manchmal auf einen Gott, der dich erlöst?
Nö, sagt ihr Mann. Welcher Gott schwebt dir denn so vor? Können wir uns da auf einen einigen?
Ein einziger Gott und  sonst gar nichts, sagt Bea, das ist immerhin eine bestechende Idee, findest du nicht?
Er sieht sie über seine Brille hinweg prüfend an wie ein Kind, das einen fiebrigen Infekt ausbrütet. Bea, sagt er dann, jetzt werd mal nicht aus lauter Angst vorm Alter zur Fundamentalistin. Er steht auf und leckt sich einen Marmeladenfinger ab. Du brauchst eine Pause, sagt er, das ist alles. Eine Pause von mir, von deinen Kindern, deinem Job.
Er schenkt ihr einen Wochenendstädtetrip von seinem Flugmeilenkonto. Barcelona, Dublin oder Rom?, fragt er.
Ich kann mich nicht entscheiden.
Das kannst du nie, sagt er, und du willst jetzt plötzlich einen einzigen Gott? Damit fing all der Ärger an.
Am nächsten Morgen sieht Bea die Umrisse Italiens auf ihrem Frühstückstoast. Das ist ein Zeichen, ruft sie. Ich nehme Rom! Er hält ihr seine Hemdsärmel hin, damit sie ihm die Manschettenknöpfe zuknöpft. Verkauf den Toast als Wunder Gottes auf E-Bay, sagt er.

Den vollständigen Artikel von Doris Dörrie finden Sie auf den Internetseiten des evangelischen Online Magazins chrismon.de hier.

eingestellt von Mathias Burbach am 24. März 2009
in 10 Gebote | 0 Kommentare