
Die Menschen meiner Generation haben über die Jahre eine Reihe historischer Zusammenbrüche erlebt. Faschismus und Kommunismus meinten beide in Verfolgung ihrer Ideologie der Devise “Der Zweck heiligt die Mittel” folgen zu dürfen. Individuelles Gewissen hatte darin keinen Platz, sondern führte zum KZ, GULAG oder Schlimmerem. Jedes Zwangssystem bedarf zu seiner Aufrechterhaltung des Terrors.
Menschen unserer Zeit, zunehmend auch die jüngere Generation, die davon über viele Jahre belastet bleiben wird, fragen sich nach der richtigen Einordnung der “Great Financial Crises”. Ist der Kapitalismus im Begriff, sich auch selber zu zerstören mit der Zulassung der Gewissenlosigkeit als Erfolgsgeheimnis? Ist er, wie nun diskutiert wird, ein System legalisierter Kriminalität? Was die USA angeht: ist eventuell das förmliche demokratische System neu zu hinterfragen, wenn es dazu geführt hat, daß dort 1% der Bevölkerung über 70% des Nationalvermögens verfügen können?
Die Botschaft des Jesus von Nazareth hat ein alternatives Menschen- und Gesellschaftsbild. Sie fordert von uns ein tägliches Hören und Handeln gemäß der Stimme Gottes in uns: dem Gewissen.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 4. Juni 2010
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In der Woche vor Pfingsten jährte sich das Datum des traumatischen Todes meiner Frau Angelika. In der Nähe ihres Grabes fand ich eine Pusteblume. Wie in einer Eingebung nahm ich sie mit und zerblies die kleinen Fallschirme über ihrem Grab. Der Wind des Lebens hatte sie fortgenommen wie die kleinen Fallschirme, hatte alle Pläne, Wünsche und Hoffnungen mit sich genommen.
Erst später kam mir der Gedanke, dass jeder der kleinen Fallschirme einen Samen trug. Jeder Mensch kann Samen seiner Liebe ausstreuen während seines Lebens, Samen, die das Leben menschlicher und schöner werden lassen. So hat auch meine Frau in vielen Menschen Samen ihrer Liebe hinterlassen, nicht nur in den Mitgliedern der Familie. So bleibt uns Überlebenden vielleicht ja die Aufgabe, diesen Samen einen guten Boden zu bereiten, für uns selbst und auch für andere Menschen.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 28. Mai 2010
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Mit dem Heiligen Geist, dessen Kommen wir Pfingsten feiern, kann man sehr unterschiedlich umgehen. Besser nicht so wie ein ländlicher Pastor, der wochenlang eine weisse Taube mit Futtergaben zum Fliegen auf die Kanzelbrüstung trainierte. Als in der Predigt an einer bestimmten Stelle sein Küster die Taube am Kircheneingang fliegen lassen sollte, erschien nur der entsetzte Küster mit dem Ausruf “Herr Pastor, Herr Pastor, den Heiligen Geist hat die Katze gefressen!”
Sicher haben wir auch sehr unterschiedliche Vorstellungen für den Heiligen Geist. Mir ist aus verständlichen Gründen seine Rolle als Tröster besonders wichtig geworden. Jesus kündigt dieses Kommen seinen Jüngern an. Da wir alle aus verschiedenen Gründen immer wieder selber Trost brauchen, wird uns diese Rolle des Heiligen Geistes wichtig und hilfreich sein.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 21. Mai 2010
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Am vergangenen Freitag fand ich in den Losungen der Herrenhuter Brüdergemeine den folgenden Text, den ich gern mit den Leserinnen & Lesern des “Wort zum Alltag” teilen möchte:
“Welch grosser Trost, Herr, dass du keine Erfolge forderst, keine Erträge eintreibst. Aber du verlangst, dass wir uns nicht schonen, dass wir unser Bestes geben, ohne überheblichkeit, ohne Eitelkeit, ohne Stolz, die alles zunichte machen. Vielleicht zählt für dich in unserem Leben vor allem der Wunsch, froh, gelassen, glücklich zu dir zu gelangen, ohne den Ruhm des Siegers.”
Der Text stammt von Dom Hélder Câmara, dem langjährigen brasilianischen Erzbischof mit dem Beinamen “Bischof der Armen”. Sehr bekannt ist sein Satz “Wenn ich den Armen Brot gebe, nennt man mich einen Heiligen. Wenn ich danach frage, warum sie arm sind, nennt man mich einen Kommunisten”. Als ihn ein gedungener Killer mit der Absicht der Ermordung aufsuchte, kam der Erzbischof selbst zur Tür. Angesichts des gerade 1,50 Meter kleinen Menschen mit zartem Körperbau soll der potentielle Mörder völlig überwältigt gesagt haben: “Ich kann Sie nicht töten. Sie leben in Gottes Schutz.”
Diesen Schutz Gottes wünsche ich uns allen.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 14. Mai 2010
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In diesen Tagen lese ich eine vor kurzem herausgekommene umfangreiche Biographie über den früheren australischen Ministerpräsidenten Malcolm Fraser. Nach seinem Amtsverlust wandte er sich zunehmend internationalen Fragen zu, so u.a. intensiv der überwindung der menschenfeindlichen Politik der Apartheid in Südafrika. Dort wurde dann schliesslich nach ca. 27 Jahren Haft der Schwarzenführer Nelson Mandela entlassen. Mit ihm gab es einen friedlichen übergang zu einer schwarzen Mehrheitsregierung. Was war Nelson Mandelas erstes Wort nach seiner Entlassung gewesen? Er forderte auf zur
“Versöhnung“
Vielleicht gibt es ja als Mass für die Grösse eines Menschen die Fähigkeit zur Vergebung, der Voraussetzung für eine Versöhnung. In diesem Fall nach 27 Jahren eines gestohlenen Lebens. Dank und Bewunderung gelten Nelson Mandela bis heute.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 7. Mai 2010
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In diesen Tagen erzählte mir ein Gemeindemitglied eine Episode aus einem Wahlkampf des langjährigen australischen Ministerpräsidenten Robert Menzies. Ein Frau brüllt ihn auf diese Weise an: “Wenn Sie mein Mann wären, würde ich Ihnen Gift in den Tee tun!”
Menzies antwortete: “Wenn Sie meine Frau wären, würde ich ihn trinken!”
Wir lachen sicher zunächst über diese Schlagfertigkeit. Vielleicht schauen wir uns dann das Wort näher an: “Fertig/bereit zum Schlagen” bedeutet es. Wie oft kann ein einziger Satz, vielleicht nur ein Wort, einen Menschen, ein Leben beschädigen oder sogar zerstören. So kann uns möglicherweise diese witzige Episode zu neuem Nachdenken bringen.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 30. April 2010
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In diesen Tagen entdeckte ich beim Duschen einen kleinen Fleck an der Außenseite der Duschverglasung. Der vermeintliche Fleck entpuppte sich als ein winziges Schnecklein, das dann umgehend einen Platz draußen im Grünen fand.
Später habe ich mir dann Fragen gestellt: Wie lange hat dieses Tierchen für seinen Weg vom Außenfenster quer durch das gesamte Badezimmer gebraucht? Wovon hat es bei diesem endlosen Weg gelebt? Wie ist es heil bis an den Endpunkt gekommen?
Das ganze Geschehen ist sicher mindestens ein kleines Wunder, für das ich keine Erklärungen finde. Vielleicht kann ich von dem Schnecklein, winziger als die Fingerkuppe meines kleinen Fingers, sogar lernen: mich auf den Weg zu machen und auf ein gutes Ende des Weges zu hoffen.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 23. April 2010
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Von Beginn meiner Zeit in Australien an haben mich die kreativen Aushänge an vielen Kirchen beeindruckt. Auf der Fahrt zum Gottesdienst in der City am ersten Sonntag nach dem Osterfest sah ich diesen hier:
“1 CROSS + 3 NAILS = 4 GIVEN”
Einen Moment des Nachdenkens erfordert er schon, doch dann ist die “Rechnung” des Wortspieles klar:
Jesu Weg zum Kreuz und in der Auferstehung über das Kreuz hinaus verbindet uns neu mit Gott, versöhnt uns mit ihm in all unserer Fehlerhaftigkeit und wird uns einst teilhaben lassen an Gottes Reich. Aus Leid wird Freude werden. Welch ein Versprechen!
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eingestellt von Dietrich Rehnert am 16. April 2010
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