
Kennen wir das nicht alle aus unserem Leben? Ein unbedachtes Wort, eine unangemessene Geste und schon ist eine Verletzung geschehen, die der Verletzer vielleicht nicht einmal gewollt hat, doch die geschehen ist, die schmerzt und eine zwischenmenschliche Beziehung belasten, wenn nicht gar gefährden kann. Ich habe eine solche Verletzung verursacht vor einigen Wochen, mußte auf den Ernst der Situation sogar erst deutlich hingewiesen werden.
Schließlich bin ich den Weg gegangen, der uns als Christen für diesen Fall offensteht: ich habe voller Bedauern um das durch mich Geschehene um Vergebung gebeten. Schon am Tag danach bekam ich diese Nachricht:
“Die Vergebung ist Ihnen gewährt, schon bevor Sie darum gebeten haben. Gottes Segen und liebe Grüße.”
Ich habe diesen Vorgang als ein Stück Heilung erfahren. Wir können einander durch Vergebung eine Last abnehmen, einen Neubeginn miteinander ermöglichen, sind wir doch alle in unserer Natur fehlerhafte Menschen. Mal sind wir Verletzer, mal sind wir die Verletzten. Auch Vergebung ist eine Gabe des Heiligen Geistes.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 21. Oktober 2011
in Wort zum Alltag |

Vor einigen Wochen bekam ich einen Brief von einer offiziellen deutschen Stelle. Ich entdeckte darin etwas, das mir bisher nicht bekannt war und erst enträtselt werden musste.
Das S.g. stand fuer “Sehr geehrter” und M.f.G. liess sich dann schon leichter als “Mit freundlichen Grüßen” ermitteln. Ich fand das beim ersten Lesen sehr ungewöhnlich und daran hat sich auch bis jetzt nichts geändert. Es gibt ganz sicher Dinge, die rationalisiert werden müssen. Hier wird für mich leider ein Stück Höflichkeit und auch Mitmenschlichkeit wegrationalisiert. Ich werde das sicher nicht mitmachen, sondern alles weiter ausschreiben. Es könnte ja auch der erste Schritt zu weiteren sein und man soll ja bekanntlich den Anfängen wehren. Sonst könnte irgendwann ein zärtlicher Brief enden mit ild, was natürlich “ich liebe dich” heißen soll.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 14. Oktober 2011
in Wort zum Alltag |

Nachdem mir in einer besonderen Situation erst vor einigen Wochen ein Kirchenlied wie eine Gabe des Heiligen Geistes in Kopf und Herz geflattert war, hat sich dieses Geschehen in diesen Tagen wiederholt mit einem Kanon für drei Stimmen. Leider findet er sich nicht in der von unserer Gemeinde genutzten Ausgabe des Gesangbuches. Er hat folgenden kurzen Text:
Kehrvers:
Gottes Liebe ist wie die Sonne,
sie ist immer und überall da.
Strophen:
Streck dich ihr entgegen,
nimm sie in dich auf.
Sie kann dich verändern,
macht das Leben neu.
Ich möchte Gottes Liebe mit den Leserinnen und Lesern des “Wort zum Alltag” teilen. Der durch den Heiligen Geist mir geschickte Kanon hat mich neu über sie nachdenken und nachfühlen lassen.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 7. Oktober 2011
in Wort zum Alltag |

Nach dem traumatischen Tod meiner Frau Angelika habe ich in einer anglikanischen Gemeinde in der Nähe eine lokale geistliche Heimat gefunden. Das ändert außer dem veränderten Gottesdienstbesuch nichts an meinem Engagement für meine deutschsprachige lutherische Gemeinde, z.B. mit derzeit vier Gottesdienstvertretungen an drei Wochenenden.
Nach meiner buchstäblichen Adoption erfahre ich unendlich viel Gutes durch zahlreiche Gemeindemitglieder, versuche auch selber, wo immer nötig und/oder gewünscht, mich mit meinen Kenntnißsen und Erfahrungen einzubringen. Zum bisher schon geschehenen Engagement, u.a. in zwei Hausbibelkreisen, wird nun “Pastoral Care” hinzukommen, was wir vielleicht vergleichsweise “Besuchsdienst” nennen würden.
Als ich in der vergangenen Woche eine besondere Tat helfender Zuwendung erfuhr und davon zu Tränen bewegt war, bekam ich die bescheidene Antwort:
“So soll es sein in der christlichen Familie!”
Dieser Satz ließ mich nun nicht mehr los und führte zu diesem Text. In der Nachfolge des Auferstandenen gibt es viele Wege: vom ermutigenden Lächeln bis zur helfenden Hand.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 30. September 2011
in Wort zum Alltag |

In einem Midday Report auf ABC Radio National in der vergangenen Woche wurde die Kindersterblichkeit in der Zwei-Drittel-Welt deutlich angesprochen. Nach Angaben des in der Sendung interviewten Fachmannes sind es pro Tag im statistischen Durchschnitt 21.000 Kinder, die vor dem Erreichen des Grundschulalters ihr Leben verlieren bevor es noch richtig angefangen hat. Ich schreibe diese Zahl pro Tag noch einmal aus, damit niemand an einen Tippfehler glaubt: einundzwanzigtausend!
Hunger, verseuchtes Trinkwasser, Krankheiten (Malaria an erster Stelle mit ca. 800.000 Opfern), Naturkatastrophen, Kriege sind u.a. zu nennen.
Wir schreiben und lesen das in einem Staat, der nun sogar die USA an obesity überholt hat und an erster Stelle in der Welt steht. Die Folgen der obesity sind selbst von Fachleuten kaum schätzbar, jedenfalls in einem hohen Milliardenbetrag. Gleichzeitig wird der Wert der weggeworfenen Lebensmittel in Australien auf ca. 8,5 Milliarden Dollar jährlich geschätzt.
“Wird Gott uns dafür strafen?”
ist meine Frage an mich selbst und alle Leserinnen und Leser. Vor Jahren fand ich bei der deutschen Schriftstellerin Luise Rinser den Hinweis, dass die Dinge in unserer Welt erst eine Besserung erfahren könnten, wenn wir alle Kinder dieser Welt als unsere Kinder ansehen würden. Das ist wohl auch noch heute gültig.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 23. September 2011
in Wort zum Alltag |

In der katholischen St. Martin’s Kirche in meiner Nähe findet an jedem ersten Freitag in einem Monat eine meditative Andacht im Stil der ökumenischen Bruderschaft von Taize in Burgund statt. Ganz besonders ihre Lieder sind mir in langer Praxis in Deutschland nicht nur sehr vertraut geworden, sondern ans Herz gewachsen. In St. Martin’s habe ich sie nun in englischer Fassung kennenlernen können.
In diesem Monat grub sich eine Formulierung bei mir ein, von der ich auf dem Heimweg nicht mehr wusste, ob sie in einem Lied, Gebet oder Text vorgekommen war, doch sie blieb mir in Erinnerung. Sie lautete:
“Wrapped in God’s Love - Eingehüllt in Gottes Liebe”
Dieses kurze Bruchstück hat für mich mehr und mehr Inhalt gewonnen, ganz sicher auch Gefühl. Vielleicht durch dessen Verwendung auch für Leserinnen und Leser in diesem “Wort zum Alltag.” Ich gehe jedenfalls mit dem enthaltenen Vertrauen in ein Krankenhaus zu einer Operation.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 16. September 2011
in Wort zum Alltag |

Die folgende Erfahrung mit einer schwierigen Nacht haben vermutlich Leserinnen und Leser des “Wort zum Alltag” auch schon selbst erlebt:
da löst ein Alptraum den anderen ab, langes Wachliegen oft die Folge, starkes Schwitzen mit häufigem Umwenden des Deckbettes, oft ein Blick auf die Uhr in der Hoffnung, dass die Nacht bald ein Ende finden wird. Alles in allem eine ziemlich quälende Erfahrung. Mir ging es in diesen Tagen leider so. Was dann in den frühen Morgenstunden geschah, hatte sich noch nie ereignet: mir flog dieser Liedervers zu:
Wer nur den lieben Gott läßt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.
Der Vers veränderte die gesamte Situation. Wo Unruhe und Unsicherheit gewesen waren, zogen Ruhe und Zuversicht ein. Ich empfand den Vorgang als ein Wirken des Heiligen Geistes und dankte Pastoren und Lehrern, die uns viele Liederverse haben auswendig lernen lassen.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 9. September 2011
in Wort zum Alltag |

Seit Jahrzehnten lebe ich mit den täglichen Bibeltexten (“Losungen”) der Herrnhuter Brüdergemeine, die ununterbrochen jedes Jahr seit 281 Jahren erscheinen, inzwischen in mehr als 50 Sprachen. Den Texten vom Montag dieser Woche ist der folgende Begleittext hinzugefügt, leider ohne Verfasserangabe:
“O Herr, das Geschenk des Lebens haben wir verschleudert. Das gute Leben einiger gründet auf dem Leiden der Vielen, das Vergnügen
der Wenigen auf der Not von Millionen. Wir erheben unsere Hände zu dir. Wir dürsten nach dir in dürrem Land. Hilf uns, neu zu verstehen, was es heisst, deine Kinder zu sein.”
Wir haben sicher immer wieder Grund, Gott um Vergebung und sein Erbarmen zu bitten.
eingestellt von Dietrich Rehnert am 2. September 2011
in Wort zum Alltag |